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 Nachrichten |
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Aktuelle Hartz 4 Nachrichten
Erstes Hartz IV Urteil zu
"atypischer Bedarf"
Erste Sozialgerichte setzen das
Hartz IV Urteil des Bundesverfasssungsgerichtes um. Eine
Schülermonatsfahrkarte bei einem Schulweg von über 5
Kilometern ist ein "atypischer Bedarf" und muss von der Arge finanziert
werden.
(01.05.2010) Rund drei Monate nach dem
Hartz-IV Urteil des Bundesverfassungsgerichtes wurde das erste Urteil
zu den "atypischen Bedarfen", die sich nicht im Regelsatz wieder
finden, gefällt. Insbesondere ging es hierbei um die Frage, ob
die beantragten Leistungen vom ALG II Regelsatz zu tragen sind, oder ob
ein "atypischer Bedarf" vorliegt, der fortlaufend und nicht einmalig
ist.
Das Sozialgericht Detmold gab einer Klägerin Recht, die
Schülermonatsfahrkarten bei der zuständigen Arge
beantragt hat. Die Sozialrichter sahen darin einen "einen laufenden,
nicht nur einmaligen Bedarf", der zur Deckung eines
"menschenwürdigen Existenzminimums " benötigt wird.
Die Arge muss nun den Schülern die Monatsfahrkarte
finanzieren. (AZ: 12 AS 126/07).
Im konkreten Fall besuchen zwei Schüler die in einer Bedarfsgemeinschaft
leben, die Oberstufe einer Gesamtschule. Die Schule ist fünf
Kilometer vom Wohnort der Eltern entfernt. Die Arge hatte den Antrag
auf Kostenübernahme einer Monatsfahrkarte abgelehnt. Die
Kosten seien vom Hartz
IV Regelsatz zu begleichen, argumentierte die Arge. Doch die
Sozialrichter sahen das anders. Doch die Richter urteilten im Sinne der
Schüler. "Wenn sich die Kammer auch durchaus bewusst ist, dass
zusätzliche Ansprüche im Hinblick auf einen
besonderen, laufenden, nicht nur einmaligen, unabweisbaren Bedarf zur
Deckung des menschenwürdigen Existenzminimums angesichts der
engen und strikten Tatbestandsvoraussetzungen nur in seltenen
Fällen entstehen, sieht sie einen derartigen Bedarf im Fall
der Übernahme der Schulwegkosten als gegeben an.
6,7 Millionen Menschen
auf Hartz IV angewiesen
Im Jahr 2010 sind nach Angaben des
Deutschen Landkreistages rund 6,7 Millionen Menschen auf Hartz
IV-Leistungen angewiesen.
(30.04.2010) Nach Angaben des Deutschen Landkreistages (DLT) sind etwa
6,7 Millionen Menschen im April 2010 auf Hartz IV Leistungen
angewiesen. So viele Hartz IV-Betroffene waren es laut DLT schon seit
2008 nicht mehr. Im Vergleich zum Vormonat ist dies ein Zuwachs von 1,1
Prozent. Viele Arbeitslosengeld II- Bezieher wären in den
westdeutschen Bündesländer hinzu gekommen, wobei nach
wie vor in Ostdeutschland prozentual weit aus mehr Menschen auf soziale
Leistungen angewiesen sind, als im Westen. Da es sich um die
vorläufigen Daten handelt, wird die endgültige Anzahl
der Hartz IV-Betroffenen nach den revidierten Daten
erfahrungsgemäß bei rund 7,0 Millionen Menschen im
Leistungssystem SGB II liegen.
Der Deutsche Landkreistag veröffentlicht monatlich –
parallel zur Bekanntgabe
der Arbeitslosenzahlen der Bundesagentur für Arbeit
– die Darstellung der Empfängerzahlen für
das SGB II und damit auch für den gesamten Bereich der ALG
II-Bezieher einschließlich der Familien. Viele Menschen
müssen ihren Lohn mit zusätzlichen Hartz 4- Sozialleistungen
aufstocken.
Bürgerbeauftragte:
Regelmäßig Fehler bei Hartz IV
Die Bürgerbeauftragte Schleswig-Holsteins
kritisiert scharf die Arbeit der Hartz IV-Ämter: "Fehler sind
die Regel".
(29.04.2010) Die
Bürgerbeauftragte Schleswig-Holsteins, Birgit Wille-Handels,
kritisierte die Arbeit der Hartz IV-Behörden scharf. Die
alltäglichen Erfahrungen würden zeigen, dass ALG II
Bezieher unter der langen Bearbeitungsdauer von Anträgen, den
unübersichtlichen Hartz IV-Bescheiden sowie der sehr
unzureichenden Beratung der Jobcenter leiden. "Der Fehler ist da der
Standard, nicht die Ausnahme", erklärte Wille-Handels.
Immer wieder machten die Behörden Fehler bei der Auslegung des
SGB II sowie bei Anwendung des Rechts. Die Missstände
lägen u.a. darin begründet, dass die vom
Bundesverfassungsgericht angemahnte Hartz-IV-Reform in der letzten Zeit
"kein Stück vorangekommen ist", kritisiert Wille-Handels.
Unter diesem Zustand leide auch der Aufbau einer wirklich
funktionierenden Verwaltungsstruktur bei den ARGEN. Im Jahr 2009
wandten sich insgesamt 3500 Menschen an die Bürgerbeauftragte.
Allein 38 Prozent der Anfragen und Eingaben beschäftigten sich
mit dem Thema Hartz IV.
Auch die Redaktion gegen-hartz.de bestätigt diese Erfahrungen.
So sagte Sebastian Bertram: "Immer wieder zeigt sich, dass
Behörden falsch informieren und Bescheide falsch sind. Den
Betroffenen bleibt dann nur der intensive Austausch in unserem Forum,
um zu ihrem Recht zu kommen". Was wäre, wenn es keine selbst
initiierten Projekte gebe?
Zeitarbeit bringt keine Arbeit,
dafür Hartz-IV
Studie der Bertelsmann Stiftung:
Zeitarbeit verschafft keine Festanstellung!
(27.04.2010) Immer wieder wird den
Menschen vorgebetet: Die Zeitarbeit verschafft eine "Flexibilisierung"
am Arbeitsmarkt und schafft Arbeit. Doch den Betroffenen bleibt vor und
nach der Zeitarbeit oft nur Hartz IV. Ausgerechnet die Bertelsmann
Stiftung hat nun eine Studie veröffentlicht, die belegt, dass
Leiharbeit in Deutschland den Menschen zum größten
Teil keine Festanstellung bringt.
Die Zeitarbeit hat sich in Deutschland in den Jahren 2000 bis 2007
verdoppelt. Im Verlauf der weltweiten Wirtschaftskrise ist die
Zeitarbeit allerdings wieder zurück gegangen. Im Juli 2009
wurden 550.000 Menschen aus der Zeitarbeit entlassen. Vielen blieb dann
nur noch der Weg zum Hartz IV-Amt. Laut Studie wird erwartet, dass die
Zeitarbeitsbranche wieder sprunghaft anwachsen wird, wenn sich die
Wirtschaft von der Krise erholt hat. Unternehmen werden als erstes
wieder Zeitarbeiter bei den Leiharbeitsfirmen buchen, denn bei der
nächsten wirtschaftlichen Flaute oder bei
Auftragseinbußen kann man sich schneller wieder von den
Zeitarbeitern verabschieden. Laut Wirtschaftsstudie wird die
"Zeitarbeit als erste wieder anziehen", wenn sich die
"Geschäftsaussichten verbessern".
Der Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung kritisiert: Die
Zeitarbeit baue nur selten eine Brücke zur regulären
Beschäftigung. Im Gegenteil: Die Leiharbeit in den Unternehmen
habe sich zu einem "eigenständigen, dauerhaften
Beschäftigungssegment" entwickelt. "Hoffnungen auf einen
raschen Übergang in reguläre
Erwerbstätigkeit konnten bislang nicht erfüllt
werden". Wie auch, denn die Zeitarbeit ist deshalb so erfolgreich, weil
Unternehmen Arbeitnehmerrechte, die Jahrzehnte erkämpft
wurden, geschickt umgehen können. In vielen Branchen hat man
einfach kein Interesse daran, Menschen dauerhaft einzustellen.
Neben der Leiharbeit, werden immer mehr Menschen befristet
beschäftigt. Allein 15 Prozent aller Arbeitnehmer
verfügen nur über eine befristete Anstellung
(Zeitvertrag). Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland damit im
"oberen Mittelfeld". Besonders viele Arbeitnehmer werden in
öffentlichen Verwaltungstellen nur noch mit
Zeitarbeitsverträgen abgespeist. Etwa zwei Drittel aller
Neueinstellungen werden befristet vergeben. Ein Viertel der
Zeitverträge in öffentlichen Verwaltungen werden
später entfristet. Im produzierenden Gewerbe werden immerhin
59 Prozent und bei produktionsbezogenen Dienstleistungen 40 Prozent der
Arbeitnehmer entfristet und erhalten einen regulären
Arbeitsvertrag. Alle anderen müssen sich wieder um eine neue
Arbeit bemühen und Arbeitslosengeld beantragen. Vermittelt
werden dann wieder viele Erwerbslose in die Zeitarbeit, die wie
berichtet, kaum eine reguläre Beschäftigung in
Aussicht stellt. Danach folgt dann wieder der Weg zum Amt.
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